Diffuser Haarausfall — medizinisch telogenes Effluvium — ist ein über die ganze Kopfhaut verteilter, oft plötzlicher Haarverlust. Betroffen sind überwiegend Frauen. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen ist er vorübergehend und hat eine gut behandelbare Ursache.

Was ist diffuser Haarausfall?

Beim diffusen Haarausfall gehen viele Haarwurzeln gleichzeitig und zu früh von der Wachstumsphase in die Ruhephase über. Einige Wochen später fallen diese Haare dann gemeinsam aus — gleichmäßig über den ganzen Kopf verteilt. Ein gewisser täglicher Haarverlust ist völlig normal; von diffusem Haarausfall spricht man erst, wenn es über Wochen deutlich mehr wird.

Man unterscheidet eine akute Form (klingt meist innerhalb weniger Monate von selbst wieder ab, sobald der Auslöser wegfällt) und eine chronische Form (hält länger an, oft ohne klar erkennbaren Auslöser). Anders als beim erblich bedingten Haarausfall werden die Haare dabei nicht dünner — sie fallen nur vermehrt aus. Beide Formen können aber auch gemeinsam auftreten.

Die häufigsten Ursachen bei Frauen

Diffuser Haarausfall ist ein Symptom, keine eigenständige Diagnose — deshalb ist die Ursachensuche so wichtig. Die häufigsten Auslöser bei Frauen sind:

  • Eisenmangel — einer der häufigsten Gründe; ein niedriger Eisenspeicher (Ferritin) begünstigt Haarausfall.
  • Schilddrüsenstörungen — sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion können Haarausfall auslösen.
  • Nach der Geburt — der Hormonabfall nach der Entbindung schickt viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase; das reguliert sich meist innerhalb eines Jahres wieder.
  • Fieberhafte Infekte, Operationen, strenge Diäten — wirken als Stressauslöser, typischerweise mit einigen Monaten Verzögerung.
  • Long-COVID — nach COVID-Verläufen ist ein vorübergehender diffuser Haarausfall beschrieben.
  • Bestimmte Medikamente — verschiedene Wirkstoffe können Haarausfall begünstigen.
  • Stress und Nährstoffmängel — auch Vitamin D, Zink oder Vitamin B12 können eine Rolle spielen.

Woran erkennt man diffusen Haarausfall?

Typisch ist ein plötzlich einsetzender, gleichmäßig über den ganzen Kopf verteilter Haarverlust — Haare, die beim Kämmen, Waschen oder morgens auf dem Kissen büschelweise ausfallen, und ein sichtbar dünnerer Zopf. Anders als beim erblich bedingten Haarausfall bleibt kein bestimmter Bereich verschont.

Ein wichtiges Merkmal ist die zeitliche Verzögerung: Der eigentliche Auslöser liegt meist zwei bis drei Monate vor dem sichtbaren Haarausfall. Wer im Frühjahr plötzlich Haare verliert, sollte also nach einem Ereignis im Winter suchen — einem Infekt, einer Operation, einer strengen Diät oder einer starken Belastung.

Welche Untersuchungen sind sinnvoll?

Ein gezieltes Basislabor grenzt die häufigsten Ursachen schnell ein — dazu gehören unter anderem der Eisenspeicher (Ferritin), die Schilddrüsenwerte und das Blutbild, je nach Vorgeschichte auch Vitamin D, Zink, Vitamin B12 oder der Hormonstatus. Diese Abklärung lassen Sie am besten über Ihre Hausärztin oder Endokrinologin durchführen. Wenn Sie bereits Laborwerte haben, bringen Sie diese gerne mit — die genauen Zielwerte finden Sie unten im Abschnitt „Die Wissenschaft dahinter".

Was hilft?

PRP und PRF nutzen die Wachstumsfaktoren aus Ihrem eigenen Blut, um die Haarwurzeln in ihrer Regeneration zu unterstützen. PRP wirkt: Aktuelle Studien zeigen positive Effekte auf Haardichte und Haarqualität. Den größten Nutzen haben Sie, wenn eine zugrunde liegende Ursache — etwa ein Eisenmangel oder eine Schilddrüsenstörung — parallel mitbehandelt wird. Die genaue Studienlage finden Sie unten im Wissenschafts-Abschnitt.

Behandlungsansatz in unserer Praxis

Beim diffusen Haarausfall beginnen wir mit einer ausführlichen Anamnese und Trigger-Suche — wir rekonstruieren mit Ihnen die letzten Monate. Wenn Sie bereits ein Laborpanel haben, bringen Sie es gerne mit; andernfalls besprechen wir, welche Werte sinnvoll über Ihre Hausärztin oder Endokrinologin abgeklärt werden sollten. Auf dieser Grundlage kann eine regenerative Behandlung mit PRP oder PRF als Ergänzung sinnvoll sein.

Unser Ansatz in der ABEND PRPraxis Düsseldorf

Wir arbeiten im Sinne einer wissenschaftlich fundierten Sprechstunde: erst die Ursachenklärung, dann die Behandlungsentscheidung. Die Behandlung wird ärztlich durchgeführt. Diffuser Haarausfall betrifft überwiegend Frauen und ist einer unserer thematischen Schwerpunkte.

Sie finden uns in der Stresemannstraße 7, 40210 Düsseldorf, im 2. Obergeschoss. Unsere Sprechzeiten liegen bewusst am Abend (Mo–Fr 17:30–22:00 Uhr) und samstags (10:00–17:30 Uhr). Termine buchen Sie bequem online über Doctolib.

🔬 Die Wissenschaft dahinter

Definition und Pathophysiologie des telogenen Effluviums

Das telogene Effluvium (TE) beschreibt den vorzeitigen, synchronen Übergang zahlreicher Follikel aus der Anagen- in die Telogenphase; nach etwa 2–3 Monaten fallen die Haare als Kolbenhaare aus. Physiologisch verliert man bis zu 100 Haare täglich; von einem TE spricht man ab einem Verlust von mehr als 150 Haaren pro Tag über mehrere Wochen. Der Telogenhaar-Anteil im Trichogramm liegt normalerweise unter 20 %, beim TE steigt er auf 30–40 % oder höher. Man unterscheidet das akute TE (Beginn ca. 3 Monate nach Auslöser, selbstlimitierend über 3–6 Monate) vom chronischen TE (> 6 Monate, überwiegend Frauen zwischen 30 und 60 Jahren, oft ohne erkennbaren Auslöser). Anders als bei der androgenetischen Alopezie kommt es nicht zur Miniaturisierung; der Haarschaftdurchmesser bleibt erhalten.

Häufige Auslöser mit Kennwerten

Eisenmangel: Ferritin unter 30 ng/ml = manifester Mangel, 30–70 ng/ml = Grenzbereich, Zielwert für die Haargesundheit über 70 ng/ml. Schilddrüse: Hypothyreose (TSH über 4,0 mIU/L bei niedrigem fT4) und Hyperthyreose (TSH unter 0,4 mIU/L) sind klassische Auslöser. Postpartales Effluvium: Ausfall 2–4 Monate nach Entbindung, Maximum um Monat 3–6, Normalisierung binnen 6–12 Monaten. Fieberhafte Infekte, Operationen und Crash-Diäten wirken mit 3–4 Monaten Latenz. Long-COVID: nach stationären COVID-19-Verläufen bis zu 22 % Haarausfall nach 6 Monaten (DGUV IPA-Journal 2022), meist TE mit guter Prognose. Medikamente: u. a. Retinoide, Betablocker, ACE-Hemmer, orale Antikoagulanzien, Chemotherapeutika, Hormonpräparate, Antidepressiva.

Empfohlenes Laborpanel

Basisdiagnostik: Ferritin (Ziel > 70 ng/ml), TSH (ggf. fT3, fT4, TPO-Antikörper), Blutbild und CRP. Erweitert nach Anamnese: 25-OH-Vitamin D (Mangel < 20 ng/ml), Zink und Selen, Vitamin B12 / Holotranscobalamin und Folsäure (v. a. bei veganer/vegetarischer Ernährung), Hormonstatus (Östradiol, FSH, LH, Prolaktin, SHBG, DHEAS, Testosteron) bei Zyklusstörungen, Akne oder Hirsutismus. Ein Trichogramm bzw. eine Trichoskopie hilft, die Anagen-Telogen-Ratio zu bestimmen und ein TE von einer androgenetischen Alopezie abzugrenzen. Diagnostischer Hinweis: Der Pull-Test gilt als positiv, wenn beim vorsichtigen Ziehen mehr als 10 % der Haare in der Hand bleiben; ein an allen Kopfregionen positiver Test spricht für ein aktives TE.

Evidenz zu PRP und PRF

Ein systematisches Review mit Meta-Analyse 2024 wertete RCTs zu PRP bei weiblichem Haarausfall aus und beschrieb positive Effekte auf Haardichte und Haarschaftdurchmesser (Wan et al. 2024). Eine Meta-Analyse 2022 (17 Studiengruppen) ergab eine signifikante Zunahme der Haardichte von 141,9 ± 108,2 auf 177,5 ± 129,7 Haaren/cm² nach PRP (p = 0,0004) — überwiegend aus Studien zur androgenetischen Alopezie (Amuzescu et al. 2022). Für das isolierte TE existieren bislang weniger RCTs; eine Studie von Rossi et al. (2023) untersuchte eine PRP-mimetische topische Zubereitung bei TE und leichter androgenetischer Alopezie und berichtete über verbesserte Haarparameter. Einordnung: Die Studienlage ist heterogen (unterschiedliche Aufbereitungen, Injektionsprotokolle, Follow-up-Zeiträume); PRP/PRF unterstützen die Regeneration, ersetzen aber nicht die Ursachensuche.